Rathaus mit Schriftzug

Gemeindenachricht

Grußwort des Bürgermeisters zum Jahreswechsel


Ein Grund zum Verzweifeln? Aus meiner Sicht keinesfalls. Die aktuelle Lage und die Prognosen für 2022 sind eher ein Grund für Realismus und Solidarität in unserer Gesellschaft. Realismus ist nötig um zu akzeptieren, dass die pandemische Lage absehbar nicht erledigt sein wird und deshalb noch längere Zeit Maßnahmen zu deren Bekämpfung aufrechterhalten werden müssen. Das Virus orientiert sich nicht an Kabinetts- oder Parlamentsbeschlüssen; umgekehrt wird ein Schuh daraus. Und wenn uns schwere Krankheitsverläufe mit Langzeitfolgen und gar Todesfälle nicht egal sind, sind die einzigen Mittel die möglichst umfassende Impfung und solange die nicht gewährleistet ist, die Einschränkung von Kontakten. So einfach ist eigentlich der Sachverhalt. Schwierig wird es erst dann, wenn man die Konsequenzen daraus ziehen soll. Brauchen wir die Impfpflicht, wenn Argumente für eine hohe Impfquote nicht mehr ausreichen? Wie können wir diese mit den Grundrechten vereinbaren? Welche Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind zur Kontaktvermeidung wirkungsvoll und noch akzeptabel im Hinblick auf andere Schäden, die einzelnen Bevölkerungsgruppen zugefügt werden?

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, natürlich habe ich persönlich keine perfekten Lösungen für all diese Probleme; das wäre mehr als vermessen. Ich bin aber sehr froh in einer demokratischen Gesellschaft zu leben in der solche grundlegenden Fragen ergebnisoffen und öffentlich diskutiert werden können. Auch der oft kritisierte Föderalismus trägt dazu bei, auch wenn Ländervorgaben immer wieder zu einem Flickenteppich an Regelungen führen. Untrennbar mit der Demokratie verbunden ist aber die Solidarität. Solidarität mit den Schwachen, die sich nicht selbst ausreichend schützen können, mit denen, die tagtäglich im Gesundheitswesen gegen die Krankheit kämpfen, mit denen, die sich beruflich und ehrenamtlich über die Maßen engagieren um das gesellschaftliche Leben auf vielen Feldern aufrecht zu erhalten – sei es in den Kitas, den Schulen, bei der Sicherung der Versorgung u.v.m. Deshalb gilt der Grundsatz: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo sie die Rechte der Mitmenschen massiv bedroht“ Wir sollten in diesen Tagen nicht aus dem Blick verlieren, dass der überwiegende Teil unserer Bevölkerung diese Solidarität praktiziert. Diejenigen aber, die mit fadenscheinigen Argumenten, mit Gleichgültigkeit oder gar Verschwörungstheorien diese Solidarität vermissen lassen, müssen überzeugt werden oder entsprechende Einschränkungen akzeptieren. Denjenigen, die die derzeitige Lage für ganz andere Zwecke ausnutzen und das auch noch mit verbaler oder körperlicher Gewalt muss mit den Mitteln des Rechtsstaats konsequent begegnet werden.

Wir haben auf kommunaler Ebene in Verwaltung und Gemeinderat das Mögliche getan um unseren Beitrag zur Pandemiebekämpfung und Bewältigung der gesellschaftlichen Folgen zu leisten. Wir haben ein kommunales Testzentrum eröffnet als es noch keine Alternativen gab, wir haben die Impfbemühungen des Landkreises unterstützt und bis heute mit örtlichen Zusatzangeboten ergänzt. Wir haben unseren Teil dazu beigetragen den Betrieb der Kindertagesstätten und der Schulen so weit als möglich aufrecht zu erhalten. Vereinen und Organisationen haben wir schnellstmöglich Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und unserer örtlichen Wirtschaft und Gewerbe beratend bei der Umsetzung der sich laufend ändernden Vorgaben beiseite gestanden. Unser Ordnungsamt war und ist durch die Nachverfolgung von Infektionen und der Quarantänekontrolle sowie der Beantwortung von Anfragen zu Corona seit 2 Jahren hoch belastet. Hinzu kommen leider die auch bei uns notwendigen Kontrollen der angeordneten Maßnahmen und deren Sanktionierung.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, trotzdem ist es gelungen die geplanten kommunalen Maßnahmen und Projekte weitgehend vorzubereiten oder umzusetzen. Details dazu konnten Sie im letzten Amtsblatt im Jahresrückblick lesen. Dies wollen wir auch in 2022 so fortsetzen. Näheres dazu bei den im Februar beginnenden Haushaltsberatungen.

Der Mensch ist bekanntlich ein soziales Wesen, also auf gesellschaftliche, zwischenmenschliche Begegnungen angewiesen. Es ist sehr bedauerlich, dass auch im vergangenen Jahr unsere Ortsgemeinschaft durch den Ausfall fast aller kulturellen Veranstaltungen und die großen Einschränkungen bei den Vereinsaktivitäten zu leiden hatte. Ich hoffe, dass es in 2022 wieder mehr Möglichkeiten zur Begegnung geben wird, unsere Kinder und Jugendlichen eine geordnete Betreuung und einen regelmäßigen Schulbetrieb erfahren können. Ebenso ist es wichtig Menschen aus der sozialen Isolation zurückzuholen und ihnen die notwendige Zuwendung angedeihen zu lassen.

Dafür werden wir auch in den kommenden Monaten alle in unserer Einsicht und Solidarität gefordert sein – ob mit beruflichen Aufgaben, im ehrenamtlichen Engagement oder als Teil unserer örtlichen Gemeinschaft.

Tun wir unser bestmöglichstes, um unser Eggenstein-Leopoldshafen lebens- und liebenswert zu erhalten, auch unter diesen besonderen Bedingungen. Ich danke allen ehrenamtlich Engagierten, die uns hierbei unterstützen und zum Wohlfühlen in unserer Gemeinde beitragen. Ich wünsche Ihnen im Namen des Gemeinderates sowie meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch ganz persönlich besinnliche Feiertage und ein erfolgreiches, aber besonders ein gesundes 2022!

Ihr Bürgermeister

Bernd Stober