Rathaus mit Schriftzug

Gemeindenachricht

Gedenken am Volkstrauertag


Still war es bei den Kranzniederlegungen in Eggenstein und Leopoldshafen am Volkstrauertag. Die zentrale Gedenkfeier für beide Ortsteile fand dieses Jahr in der Friedhofskapelle in Eggenstein statt. Nächstes Jahr ist sie turnusgemäß in Leopoldshafen.

Bürgermeister Bernd Stober, Diakon Heribert Opp und Gemeindearchivarin Katrin Kranich sprachen corona-bedingt vor kleinem Publikum. Bernd Stober wies darauf hin, dass der Volkstrauertag nichts an Aktualität eingebüßt hat. Er verurteilte das über Leichen gehende Streben nach Macht, die Menschenverachtung gegenüber Andersdenkenden, die Anwendung von Gewalt als Mittel der Durchsetzung eigener Interessen und warnte vor blinder Gefolgschaft und forderte zur Wachsamkeit auf.

„Leider musste das Gedenken auf einen kleinen Kreis reduziert werden“, bedauert Dieter Fischer vom Rathaus, der diesen staatlichen Gedenktag organisiert. Jeweils zwei Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, des DRK-Ortsverbands und vom Ortskartell legten an den Kriegerdenkmalen und Kriegsgräbern in den Friedhöfen in Eggenstein und Leopoldshafen Kränze nieder. Den würdevollen Rahmen bildete die Ehrenwache der Reservistenkameradschaft Nordhardt.

Üblicherweise findet das Gedenken am Volkstrauertag sehr lebendig mit musikalischer Umrahmung und Einbeziehung der jungen Generation statt. Dieses Jahr hat das Vokalensemble 4Cant der Gesangsgruppe Belcanto die Feier musikalisch umrahmt mit

  • „Alles verrinnt, Leben, Sonne, Zeit“ (Glockenspruch) / Dänemark
  • „Von guten Mächten“, Worte: Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), Satz: Othmar Kist
  • „Dona nobis pacem“, Mary Lynn Lightfoot.

Neben den Kranzniederlegungen und Ansprachen gestalten unter normalen Umständen Schüler diesen Gedenktag mit interessanten Ausarbeitungen und Recherchen zu einem Thema mit aktuellem Bezug. Darauf mussten wir dieses Jahr abermals aus Infektionsschutzgründen verzichten, um den Rahmen klein zu halten. Zuletzt hatte sich eine Schülergruppe der Gemeinschaftsschule mit Konrektorin Kristina Schnell mit „Suche Frieden und jage ihm nach!“ auseinandergesetzt und im Jahr davor bedrückende 141 Kriege in den letzten 100 Jahren recherchiert und sehr anschaulich dargestellt. Der Volkstrauertag ist insbesondere für die Jugend Anlass sich mit unserer Geschichte auseinander zu setzen und an die vielen Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu erinnern. Er ist auch immer Anlass für die Gemeinde dem Volksbund für die Kriegsgräberfürsorge eine Spende zukommen zu lassen, so auch dieses Jahr wieder.

Zur Entstehung des Volkstrauertags und die Wandlung des Gedenkens informierte Gemeindearchivarin Katrin Kranich. „Bereits 1919 schlug der damals neu gegründete Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen solchen staatlichen Gedenktag vor“, führte sie aus. Der wenige Monate zuvor zu Ende gegangene Erste Weltkrieg mit seinen immensen Opferzahlen war damals noch unmittelbar präsent. Weiter erläuterte sie: „Drei Jahre später, 1922, fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. Wiederum drei Jahre später, also 1925, wurde der Volkstrauertag erstmals begangen und 1926 auf den Sonntag Reminiscere (lateinisch für Gedenke/Erinnere), den zweiten Sonntag der vorösterlichen Fastenzeit, festgelegt.

Allerdings wurde der Volkstrauertag zunächst kein reichsweiter gesetzlicher Feiertag, weil die Zuständigkeit -Reich oder Länder- nicht geklärt war. Außerdem hatten die Kirchen seit je her eigene Totengedenktage im November – Allerseelen auf katholischer Seite, den Totensonntag auf evangelischer Seite. Dem Geist der Zeit entsprechend wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus dem Volkstrauer- dann ein Heldengedenktag. Fortan stand nicht mehr das Totengedenken, sondern Heldenverehrung im Mittelpunkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diskutierte man 1946 in den drei westlichen Besatzungszonen über die Durchführung und das Datum eines Volkstrauertags. 1950 fand die erste zentrale Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Bonner Bundestag statt. Die DDR führte einen Internationalen Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg ein, der im September begangen wurde. Seit 1952 ist der Volkstrauertag immer am vorletzten Sonntag vor dem Ersten Advent.“

Heute ist der Volkstrauertag ein Tag des Erinnerns an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft sowie des Mahnens, aber auch der Versöhnung zwischen den Völkern.

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Redakteur / Urheber
Hauck