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Gemeindenachricht

Neues Wasserwerk im Probebetrieb


Wasserwerk Tiefgestade Probebetrieb gestartet Oktober 2021
„Neben dem Probebetrieb stehen die Herrichtung des Außengeländes auf der Agenda sowie der Bau der Fernleitung vom neuen Wasserwerk in Richtung Wasserzentrale in der Neckarstraße“, erläuterte Matthias Weber, Fachbereichsleiter Technik im Rathaus, die anstehenden Aufgabenschwerpunkte im Rahmen einer Präsentation. „Die Technik sei vollständig eingebaut, die Abnahme durch den TÜV erfolgte ohne jegliche Beanstandung. Im unmittelbaren Außenbereich des Betriebsgebäudes müssen noch Wege und Lampen angebracht werden sowie um das Gebäude herum noch weiter Erde ans untere Geschoss angeschüttet werden. Bei Ausbaugewerken sind noch kleinere Restarbeiten zu erledigen“, so Weber.

Probebetrieb
Der Probebetrieb dauert 3 Monate. In dieser Zeit gelangt kein Tropfen in die Trinkwasserleitungen der Haushalte. Das gefilterte Wasser wird direkt über das Absetzbecken wieder abgeleitet.

Erst wenn alle neuen Rohre gründlich durchgespült wurden, die Filtrationswerte für Eisen und Mangan gut sind und ganz sicher ist, dass keinerlei Verkeimungen auftreten, wird gegen Ende Januar das Wasser vom neuen Wasserwerk über die bestehende Fernleitung in die Wasserzentrale in der Neckarstraße geleitet. „Bei der Phase des Umschlusses, d.h. wenn die Leitungen vom neuen Wasserwerk ans bestehende Netz angeschlossen werden, kann noch viel passieren. Eine gute Planung, besondere Vorsicht und Sachverstand minimieren das Risiko“, versichert Matthias Weber.

Das alte Betriebsgebäude wurde in den Jahren 1961/62 durch das damalige Kernforschungszentrum Karlsruhe zu deren Wasserversorgung erbaut. Nach erfolgreichem Probebetrieb und Umschluss soll es in der Zeit von März bis Mai 2022 zurückgebaut werden.

Zaunanlage
Das Gesundheitsamt hat gefordert, dass die Umzäunung des Geländes komplett verbessert wird. Das heißt, dass von den 1.000 m Zaun rund 750 Meter Maschendrahtzaun repariert und teilerneuert werden. Im unmittelbaren Bereich zum Betriebsgebäude wird auf 350 Metern Gitterstabzaun mit einem elektrischen Schiebetor errichtet. Das bedeutet Mehrkosten von ca. 50.000 bis 100.000 €. Die Arbeiten sollen in der Zeit von Juni bis September 2022 ausgeführt werden.

Gemeinderäte besichtigten das Betriebsgebäude
Die Gemeinderäte zeigten sich bei der Führung durch das neue Betriebsgebäude überaus interessiert. Sie stellten Matthias Weber und den Mitarbeitern des Eigenbetriebs Wasserversorgung viele Fragen.

Im September 2019 war der Spatenstich für das neue Wasserwerk. Das Gebäude wurde vollständig aus wasserundurchlässigem Stahlbeton errichtet. Für die Innenwände wurden besonders glatte Schalelemente aus Beton verwendet, so dass aufs Verputzen verzichtet werden konnte. Die Wände wurden lediglich weiß gestrichen. 600 qm Fliesen wurden im Betriebsgebäude verlegt. Bevor das Metalldach mit sogenannten Sandwichplatten montiert wurde, wurden im März 2020 die vier neuen blauen Filterkessel und die beiden grünen Oxidatoren mit einem Schwerlastkran eingeschwenkt. In Maßarbeit wurden die circa 3 Tonnen schwere Stahlkessel auf jeweils vier betonierte Stützen im Untergeschoss aufgesetzt und verschraubt. Die insgesamt ca. 5 m hohen Behälter reichen über 3 Stockwerke hinweg, in der Zwischendecke sind kreisrunde Aussparungen.

Neben der großen Filterhalle gibt es verschiedene Arbeitsräume wie Werkstatt, Lagerräume und einen Raum für ein Notstromaggregat. Direkt unter dem Notstromaggregat befindet sich im Untergeschoss der 3.000-Liter Heizöltank, kein Diesel. Ralf Tabery wusste sofort den Grund dafür, Diesel kann verkeimen und den Motor schädigen, Stichwort Dieselpest. Weiterhin gibt es natürlich Sozialräume für die vier Mitarbeiter unserer Wasserversorgung.

Herzstück des Wasserwerks ist die Warte. Hier erläuterte Patrick Stadler den Gemeinderäten die Überwachung und Steuerung der technischen Anlage. Bei einem Störfall können hier, aber auch per Fernwirktechnik, entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

Funktionsweise des neuen Wasserwerks
Dem Rohwasser aus den fünf umliegenden Brunnen wird in den zwei grünen Oxidatoren mit Kompressoren gefilterte Luft zugesetzt. Zur besseren Luftverteilung werden diese mit Kunststoffteilen gefüllt, die wie große Lockenwickler aussehen. Diese machen aus den großen Luftblasen viele Tausende kleine.

Das Rohwasser muss belüftet werden, um Eisen- und Manganpartikel, die natürlicherweise in der Oberrheinischen Tiefebene oft vorkommen, entfernen zu können. Eisen und Mangan sind zwar nicht giftig, aber bei höherem Vorkommen unangenehm im Geschmack und sie können rostig aussehen.

Das Eisen und das Mangan gehen eine chemische Reaktion mit dem nun vorhandenen Sauerstoff ein. Von den grünen Oxidatoren wird das belüftete Rohwasser jeweils durch ein Standrohr im Innern der blauen Filterkessel nach oben gepumpt, von dort sickert es durch den feinen Kies nach unten und Eisen und Mangan bilden Flocken, die abgefiltert werden. Damit die Filtration in den Kesseln funktioniert, werden diese am Anfang „geimpft“. Das bedeutet, dass zum neuen Kies auch noch Kies aus den alten Kesseln hinzukommt. Der alte Kies ist mit Organismen durchsetzt, die das Mangan abbauen. Die blauen Kessel mit 2 Meter Durchmesser sind innen gummiert und mit feinkörnigem Kies und Sand gefüllt. Die ausgefilterten Bestandteile werden regelmäßig im Kessel zurückgespült und gelangen mit Wasser in das außenliegende Absetzbecken. Da die Partikel schwerer als Wasser sind, setzen sich diese ab und oben ist dann sauberes Wasser, das über eine 800 m lange Stahlbetonleitung mittels Gefälle in den Rhein geleitet wird.

Das gereinigte Wasser wird nach dem Probebetrieb in Rohren in Richtung Fernleitung geleitet. Dazwischen befinden sich noch eine Pumpstation für den Rheinkiosk und die amtliche Zapfstelle. Damit das Reinwasser durch die 4.000 Meter lange Fernleitung in die Wasserzentrale in der Neckarstraße gelangen kann, braucht es entsprechenden Druck, der von den Brunnenpumpen erzeugt wird.

An der Zapfstelle entnehmen sowohl das Gesundheitsamt als auch die Mitarbeiter des Eigenbetriebs Wasserversorgung der Gemeinde regelmäßig Proben. Das Trinkwasser zählt zu den am besten überwachten Lebensmitteln.

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Redakteur / Urheber
Hauck