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Geschichte

1250 Jahre Eggenstein 2015 bis 2016

Die Feierlichkeiten anlässlich 1250 Jahre Erstnennung Eggenstein zogen sich über ein ganzes Jahr, galt es doch einen historischen Irrtum auszugleichen. 1965 fand die 1200-Jahrfeier statt, demnach müsste 50 Jahre später die "1250" folgen. Nur mittlerweile hatten die Historiker festgestellt, dass die Erstnennung im Jahre 766 erfolgte. Was tun? Ein ganzes Jahr feiern.

Von Juni 2015 bis Juni 2016 gab es über 100 Einzelveranstaltungen. Das Jubiläum stand unter dem Motto "Ein Fest von Bürgern für Bürger". So wurde es von einer Vielzahl Ehrenamtlicher in verschiedenen Projektgruppen geplant und auch umgesetzt.

Ein großes Bürgerfest mit Festabend der etwas anderen Art eröffnete das Feierjahr und ein Festwochenende mit einem großartigen historischen Umzug beendete es.

Viele Informationen und auch Fotos dieses Jubiläums finden Sie hier auf der Homepage.

850 Jahre Leopoldshafen in 2010

Die Feierlichkeiten anlässlich des 850. Jubiläums der Erstnennung von Schröck/Leopoldshafen fanden in Form eines Bürgerfestes vom 16. bis 18. Juli 2010 in der Rheinhalle statt.

Im Rahmen dieses großen Festwochenendes wurden eine Vielzahl von Attraktionen für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger und Besucher aus nah und fern angeboten werden:

  • Kulinarische Leckerbissen an historischen Ständen,
  • ein abwechslungsreiches Life-Musikprogramm,
  • historische Vorführungen,
  • ökumenischer Gottesdienst,
  • Frühschoppenkonzert,
  • attraktives Bühnenprogramm,
  • eine historische Feuerwehrübung beim Heimatmuseum,
  • Kunstausstellungen,
  • Seniorennachmittag,
  • vielfältiges Kinder- und Jugendprogramm mit Spielen und Wettkämpfen,
  • Gemarkungslauf,
  • Feuershow und vieles mehr.

Jubiläumsmedaillen wurden als Andenken an dieses große Jubiläum verkauft.

Außerdem waren "850 Jahre Erstnennung" Grund eine reich bebilderte Teilortschronik für Leopoldshafen zu erstellen, die an der Rezeption im Rathaus für 19,80 € erworben werden kann.

Den Vereinen im Ortskartell Leopoldshafen mit ihren vielen Helferinnen und Helfer ein ganz herzliches Dankeschön. Ohne sie wäre dieses historische Fest nicht möglich gewesen.

Das Bürgerfest war ein voller Erfolg!

Von der Gemeindefusion bis heute

Die Jahre nach der Gemeindefusion waren ganz von den Bemühungen geprägt, die beiden bislang eigenständigen Gemeinwesen samt Gemeindeverwaltung zu einem einheitlichen Gepräge zu führen, was sich nicht immer einfach gestaltete.

Besonders emotional wurden die Auseinandersetzungen 1975 und 1976 in der Namensfrage der Doppelgemeinde geführt. Ein passender Name wollte sich einfach nicht auffinden lassen und in der Not wurde gar eine Bürgerbefragung durchgeführt. Doch nur 9 % der wahlberechtigten Einwohner nahmen an der Befragung teil. Der meistgenannte Vorschlag Niederau konnte jedoch im Gemeinderat kaum begeistern und so beschloß das Gremium am 25.11.1976, es bei der alten Bezeichnung Eggenstein-Leopoldshafen zu belassen. Die folgenden 1970er, 1980er und 1990er-Jahre waren geprägt von zunehmendem Wohlstand, einer stetigen Verbesserung der Infrastruktur und einem blühenden Kultur- und Vereinsleben.

Besonders große Bauprojekte der Gemeindeverwaltung waren 1975 der Bau des Hallenbads Eggenstein und einer mechanisch-biologischen Kläranlage in Leopoldshafen, 1977 der Bau der Hermann-Uebelhör-Sporthalle, 1981 der Bau einer neuen Friedhofskapelle Leopoldshafen, 1981/82 der Umbau des alten Rathauses Leopoldshafen zum Heimatmuseum, 1987 der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Eggenstein, 1992 der Umbau und die Erweiterung des Rathauses Eggenstein, 1994 der Neubau des Kindergartens Märchenwald und des Feuerwehrgerätehauses Leopoldshafen, 1998 der Neubau des Trinkwasserspeichers Viermorgen, 2003 der Neubau einer Sporthalle im Schulzentrum Eggenstein und des Kindergartens Regenbogenexpress und 2004 der Umbau der Rheinhalle zu einer Kultur- und Veranstaltungshalle. Alle Bauprojekte wurden im Laufe der Jahre durch eine bedachte Finanzpolitik des Gemeinderats und solide Haushaltsführung der Gemeindeverwaltung ermöglicht.

Eine bedeutende Verbesserung der Verkehrsanbindung an die Stadt Karlsruhe und das Umland wurde durch die Realisierung zweier Großprojekte ermöglicht: bis zum Jahr 1978 wurde die Bundesstraße 36 am östlichen Hardtwaldrand neu erbaut und ermöglichte nach Jahrzehnten endlich wieder staufreie Ortskerne und ein schnelleres Fortkommen. 1986 ging dann mit der Weiterführung des Karlsruher Straßenbahnsystems bis Eggenstein-Leopoldshafen ein lang gehegter Traum vieler Einwohner in Erfüllung. In den Jahren nach der Gemeindefusion entstanden weitere Neubaugebiete im modernen Stil und erstmals in ihrer Geschichte erreichten die Baugebiete der Gemeinde Mitte der 1990er-Jahre den Hardtwaldrand. Demzufolge wuchsen auch die Bevölkerungszahlen von 11248 im Januar 1975 auf insgesamt 15256 im Januar 2005.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts präsentiert sich die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen als attraktiver Wohn- und Gewerbeort in direkter Nachbarschaft zu Karlsruhe und beherbergt mit dem ortsansässigen Forschungszentrum Karlsruhe einen unverzichtbaren Bestandteil der Technologieregion Karlsruhe und der wissenschaftlichen Welt.

Von der Nachkriegszeit zur Gemeindefusion

In den Jahren nach dem Krieg rangen die Menschen unter schwierigsten Bedingungen um eine Rückkehr zur Normalität. Bereits zum Jahresbeginn 1946 endete die amerikanische Besatzungszeit und mit dem Wegfall der abendlichen Sperrstunden im Frühjahr 1946 begann ganz langsam wieder das normale Leben einzukehren. Die Lebensverhältnisse blieben jedoch beschwerlich, da nur allernotwendigste Mengen an Lebensmitteln ausgegeben wurden. Baustoffe blieben knapp und so verlief der Wiederaufbau nur zögerlich. Langsam kehrten auch die Soldaten und Kriegsgefangenen sehr zur Freude ihrer Angehörigen in ihre Heimat zurück. Auch zahllose Flüchtlinge und Heimatvertriebene gelangten nach Eggenstein und Leopoldshafen, wodurch sich die ohnehin bereits schon schlechten Wohnraumverhältnisse noch weiter zuspitzten. Mit den „Neubürgern" aus ost- und südosteuropäischen Ländern veränderten sich grundlegende althergebrachte Strukturen in Religion und Mentalität. Doch schon bald waren die neuen Einwohner ins gesellschaftliche Leben gut integriert. Ab den 1950er-Jahren setzte ein merklicher Wirtschaftsaufschwung ein und die Planung neuer großflächiger Baugebiete, insbesondere in Eggenstein, sollte der nach wie vor bestehenden Wohnraumknappheit Abhilfe leisten. Und tatsächlich setzte ein bislang unkekannter Bauboom ein, großflächige Ackergebiete wurden Bauland. Damit einher ging ein Anwachsen der Bevölkerungszahl: hatten in Eggenstein 1946 noch 3350 Einwohner gelebt, hatte sich deren Zahl bis 1974 mit 6076 gesteigert und damit auf nahezu das Doppelte vergrößert. In Leopoldshafen lebten 1946 1174 Personen und im Jahre 1974 5168 !! Die beinahe auf das fünffache gesteigerte Zahl war dort jedoch noch einem anderen Faktor zuzuschreiben: mit der zunächst von der Einwohnerschaft heftig bekämpften Errichtung eines Forschungsreaktors im Hardtwald ab 1956 und dem folgenden Ausbau zum Kernforschungszentrum Karlsruhe wurden in der Hardt die Tore zur Moderne weit aufgestoßen. So etwas hatte man in Leopoldshafen noch nicht gesehen: eine unglaubliche Fläche Wald, noch größer als Leopoldshafen selbst, wurde im östlichen Hardtwald zur Errichtung der Forschungsanstalt gerodet. Institute und Anlagen sowie ein Forschungsreaktor wuchsen im Wald in die Höhe. Wissenschaftler aus ganz Deutschland und der Welt zogen hierher, um in aufregenden Experimenten den Geheimnissen des Atoms und des Universums auf die Schliche zu kommen. Freilich fehlte es an Wohnraum für die Forscher und so wurden auch in Leopoldshafen neue Baugebiete geplant. Nach einer „Reaktorwohnsiedlung" am östlichen Dorfrand ab den 1950er Jahren entstand östlich der alten Bundesstraße 36 bis in die 1970er Jahre ein futuristisches Wohnviertel, in dem Hochhäuser und große Wohnblöcke ganz im Stil der Zeit in den Himmel wuchsen. Eggenstein und Leopoldshafen befanden sich in diesen Jahrzehnten auf dem Sprung in die Moderne, was sich auch in Fragen der Ortsplanung und Architektur niederschlug: alte jahrhundertealte Gebäude fielen einem Abbruch zum Opfer und die heimeligen Ecken wichen nach und nach der kühlen Moderne. Inmitten dieser Aufbruchszeit erschienen dunkle Wolken am Himmel: die Landesregierung Baden-Württemberg forcierte ab Beginn der 1970er-Jahre Bestrebungen zur Reform des öffentlichen Gemeinwesens, in deren Zuge größere leistungsfähigere Verwaltungseinheiten geschaffen werden sollten. Karlsruhe setzte zum Sprung an und drohte mit Eingemeindungen. Eggenstein und Leopoldshafen befanden sich im Zugzwang: beide Orte sollten sehr zum ungläubigen Entsetzen ihrer Einwohnerschaft in größeren Verwaltungseinheiten aufgehen. Die Landesregierung machte Ernst mit ihren Planungen und inmitten der mit Zähneknirschen geführten erzwungenen Verhandlungen mit den Nachbargemeinden fand sich quasi in letzter Minute eine sogenannte „kleine Lösung", die mit Eggenstein und Leopoldshafen eine Fusion von lediglich zwei Gemeinden vorsah. So geschah es, und nach der Vertragsunterzeichnung durch die Bürgermeister Emil Knobloch von Eggenstein und Hermann Uebelhör von Leopoldshafen am 17. Mai 1974 in der Aula der Eggensteiner Hauptschule trat die Gemeindefusion zum 01. Dezember 1974 in Kraft.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 wurde es auch in Eggenstein und Leopoldshafen ernst: noch am selben Abend wurde auf höhere Anordnung durch die Straßen Eggensteins ein Fackelzug durchgeführt, an dessen Abschluß zwischen Kirche und Rathaus die Flagge der Weimarer Republik verbrannt wurde. Auf Antrag der NSDAP-Ortsgruppe wurde auf dem Rathaus die Hakenkreuzflagge gehisst. In den Gemeinden hielt also die neue Ideologie Einzug und unwillige Personen des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise der Eggensteiner SPD-Gemeinderat Julius Gretschmann, wurden mundtot gemacht.

Die folgenden Jahre standen ganz im Zeichen des Nationalsozialismus und seiner Ideologie. 1937 wurde von der Gemeinde das Gasthaus zur Krone in der Hauptstraße erworben und darin ein NSDAP-Parteiheim eingerichtet. Im Rahmen von Projekten des Reichsarbeitsdienstes wurden große Unternehmungen zur Verbesserung der Infrastruktur, wie beispielsweise der Bau des Pfinzentlastungskanals zwischen Eggenstein und Leopoldshafen, angegangen.

Zu diesem Zweck existierten im Umfeld beider Orte insgesamt 4 RAD-Lager: am heutigen Waldgrillplatz bei Spöcker Weg und Linkenheimer Allee das Lager Leo Berger, im Eggensteiner Tiefgestade in der Krautenau das Lager Rudolf von Eschwege, im Tiefgestade bei Leopoldshafen das Lager Markgraf Karl Wilhelm und schließlich im heutigen Rosenweg in Eggenstein ein RAD-Lager der weiblichen Jugend.

Doch dass sich das neue Deutschland zum Krieg rüstete, blieb auch in Eggenstein und Leopoldshafen unübersehbar, als im August 1938 quasi über Nacht zahllose LKW’s mit Kies, Zement und anderen Baustoffen hin und her rollten und am Rhein, auf den Feldern und im Hardtwald zahllose Bunker für einen Westwall errichteten. Nicht einmal ein ganzes Jahr dauerte das emsige Treiben und im Mai 1939 stattete sogar der Führer höchstpersönlich den Eggensteinern einen Besuch ab, um die inzwischen fertiggestellten Anlagen zu besichtigen. Umjubelt von Alt und Jung zog er in einem Fahrzeug durch die Straßen Eggensteins und in einem Bahnwaggon auf einem Nebengleis des Bahnhofs wurde übernachtet.

Der Ausbruch des Krieges ließ nicht lange auf sich warten. Noch Ende August 1939 bezogen militärische Truppen die fertiggestellten Westwall-Bunker auf der Gemarkung und Anfang September begann mit der Kriegserklärung Deutschlands an Polen und damit dem 2. Weltkrieg das bislang brutalste und opfervollste Gemetzel aller Zeiten. Die Männer in den Dörfern wurden zum Krieg eingezogen und mit der Länge des Krieges wuchsen auch in Eggenstein und Leopoldshafen die Opferzahlen und tragischen Familienschicksale.

Bereits recht früh folgten Bombenangriffe alliierter Flieger auf Karlsruhe und sein Umland. In der Nacht vom 23./24. August 1941 fielen Brandbomben auf der „Wilhelmshöhe". Um die benachbarte Großstadt Karlsruhe möglichst lange vor Bombenangriffen zu schützen und feindliche Flieger in die Irre zu führen, wurden im nördlichen und südlichen Umland von Karlsruhe insgesamt drei Attrappenanlagen errichtet, die strategisch bedeutsame Ziele der Stadt nachempfanden. Die im Hardtwald bei Leopoldshafen erbaute großflächige, beleuchtbare und beflammbare Scheinanlage „Columbia" sollte den feindlichen Fliegern des Nachts die baulichen Strukturen des Karlsruher Hafens vorgaukeln. Eine Zeit lang gelang es, durch diesen Trick feindliche Flugzeugstaffeln von Karlsruhe abzulenken; stattdessen fielen die Bomben auf Felder und Wälder des Umlands.

Ab 1942/43 wurden die Dörfer immer öfter und jetzt auch bei Tag von Fliegern heimgesucht und abgeworfene Flugblätter sollten ihre zersetzende Wirkung entfalten. 1944 wendete sich das Kriegsglück Deutschlands zum Schlechten und hinter vorgehaltener Hand munkelte man in so mancher Familie bereits über ein nahendes Kriegsende mit schlechtem Ausgang.

Die folgenschwersten Luftangriffe fanden in Eggenstein am 08.09.1944 und 11.12.1944 statt, bei denen Wohn- und Stallungsgebäude in der Werder-, Kirchen- und Wilhelmstraße getroffen wurden und das alte Schulgebäude in der Kirchenstraße in Trümmer fiel. Leopoldshafen wurde am 11.02.1945 bombardiert: die unweit der Evangelischen Pfarrkirche einschlagenden Sprengbomben zerstörten zahlreiche Gebäude und töteten einen Einwohner. Gegen Ostern 1945 standen alliierte französische Truppen bereits auf linksrheinischer Seite vor den Toren Leopoldshafens. An den Westwallbunkern folgten verlustreiche Kämpfe und französisches Militär kämpfte sich bis aufs Gelände beim heutigen Baggersee vor.

Letzte deutsche Soldaten räumten das Dorf und in den Morgenstunden des Ostermontags, den 02. April 1945, marschierten die Franzosen ohne Gegenwehr ins Dorf ein. Und hier wurde schlimm gewütet: sämtliche Uniformierten des Dorfes vom Förster zum Feuerwehrmann hatten auf dem Rathausplatz zu erscheinen und auf ein Führerbild zu spucken. Das Mobiliar des Schulhauses wurde auf die Straße gekippt und angezündet, ein deutscher Soldat wurde auf der Flucht auf offener Straße erschossen. Sämtliche Radiogeräte, Vieh und Nahrung wurden eingezogen und abgeschlachtet. Am nördlichen Dorfausgang von Eggenstein wurde gleichzeitig mit dem Bau von Panzersperren begonnen, um ein Vorrücken des Feindes zu behindern. Freilich gerieten die Stellungen unter heftigen Beschuß und die letzten Widerstand leistenden Truppen sprengten die Straßenbrücke und die Eisenbahnbrücke über den Pfinzentlastungskanal.

Schließlich wichen auch in Eggenstein die letzten Soldaten der feindlichen Übermacht und machten damit den Weg frei für den Einzug der französischen Infanterie. Hier wurden Männer zusammengetrieben und festgehalten und einige als Geiseln benutzt, denen beim geringsten Widerstand aus der Bevölkerung die Erschießung drohte. Auch in Eggenstein wurde schlimm geplündert und die letzten verbliebenen NS-Parteigenossen wurden in der Würzburgerschen Fabrik gefangengesetzt und übel misshandelt.

Mit dem deutschen Waffenstillstand am 08. Mai 1945 war der Krieg beendet. Als im Juli 1945 das heimische Gebiet an die amerikanische Besatzungszone überging und die Franzosen abmarschierten, atmeten die Leute auf und es trat schnell eine Besserung der Verhältnisse ein.

Erster Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise

Die goldenen Zeiten fanden mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs im August 1914 ein vorläufiges Ende. Mitten in der Erntezeit wurde der Kriegszustand erklärt und die allgemeine Mobilmachung verkündet. Da die Männer zu den Waffen berufen wurden, lasteten immer mehr Aufgaben auf den Schultern der Frauen und Alten. Nach ersten Schlachten im Westen wurde vom Frauenverein des Roten Kreuzes im Schulhaus in der Kirchenstraße ein Lazarett eingerichtet. Doch mit zunehmender Länge des Krieges wurden die Auswirkungen der Kriegswirtschaftsverordnungen zunehmend spürbar: neben der Einführung von Lebensmittelkarten wurden Rationierungen durchgesetzt und Ernteabgaben auferlegt. Wucher und Tauschhandel florierten. Nachdem die Zahl der Einberufungen und damit ein Mangel an Arbeitskräften spürbar groß geworden waren, wurden in Eggenstein 15 russische Kriegsgefangene als landwirtschaftliche Hilfskräfte zur Verfügung gestellt. Zu allem Unglück warf im Winter 1917/18 eine Grippe ganze Familien aufs Krankenlager und eine spätere Ruhrepidemie forderte auch unter den Ortseinwohnern zahlreiche Opfer. Im Jahre 1918 wurden die Zustände immer schlimmer. Die Nahrungsknappheit lockte zahlreiche Hamsterer aus den Städten aufs Land und feindliche Flieger gelangten bis nach Karlsruhe, wo sie durch einen Bombenabwurf auf einen Zirkus am Ettlinger Tor ein Blutbad anrichteten. Nach dem Zusammenbruch der deutschen Fronten und dem Kriegsende im November 1918 hatten Eggenstein 96 und Leopoldshafen 26 Gefallene zu beklagen.

Es folgten wiederum schwere wirtschaftliche Zeiten, da Deutschland den Krieg verloren hatte und fortan zu Reparationsleistungen verpflichtet wurde. Nahrungsmittel blieben knapp und eine ausufernde Inflation trieb die Preise für Nahrungsmittel und Sachgüter in astronomische Höhen. Im Juni 1923 wurde Leopoldshafen durch 120 französische Besatzungssoldaten belegt, um den angeblich im Hafen florierenden Schmuggel zu unterbinden. Doch unverrichteter Dinge waren die Männer schon bald wieder zu einem Abzug gezwungen.

Trotz aller wirtschaftlicher Not, gelang in Eggenstein Dank einer soliden Haushaltspolitik die Umsetzung bedeutender Großprojekte in der Gemeinde: 1919 erhielt der Ort eine elektrische Beleuchtung und 1925/26 wurde der Bau einer ortsweiten Wasserleitung umgesetzt. Die alten Pumpbrunnen hatten ausgedient und verschwanden hinfort aus dem Straßenbild. In Leopoldshafen hielt ab dem Jahre 1920 die elektrische Beleuchtung Einzug. Eine öffentliche Wasserversorgung sollte dort jedoch erst 1961 realisiert werden.

Auf die schwere Wirtschaftskrise der 1920er Jahre folgte eine ausufernde Arbeitslosigkeit. Verständlicherweise suchten die Menschen nach neuen radikalen Auswegen aus dem Dilemma und so war es kaum verwunderlich, dass radikalen Parteien und Gruppierungen, wie der NSDAP unter Adolf Hitler, ein günstiger Nährboden bereitet wurde. Doch nur Wenige durchschauten die Janusköpfigkeit der neuen Führerfigur und so stand Deutschland vor einem verhängnisvollen und unglückseligen Abenteuer.

Von der Industrialisierung zum Ersten Weltkrieg

Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das kulturelle Leben vielgestaltiger, was sich insbesondere in den Gründungen von Vereinen niederschlug: 1838 wurde mit dem Gesangverein Frohsinn Eggenstein der allererste Verein überhaupt gegründet, es folgten 1864 die Freiwillige Feuerwehr Eggenstein, 1865 die Freiwillige Feuerwehr Leopoldshafen, 1874 der Frauenverein der Evangelischen Kirche, 1889 der Gesangverein Fidelia Leopoldshafen und 1894 die Turngemeinde Eggenstein. Auch in den Bereichen Geldwirtschaft und Landwirtschaft wurden vorhandene Ressourcen gebündelt: 1873 erfolgte mit der Gründung der Spar- und Darlehenskasse Eggenstein die erstmalige Errichtung einer derartigen Institution in ganz Baden. 1885 wurde die Landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsgenossenschaft gegründet.

Der Bau der Rheintaleisenbahn in den Jahren 1869 bis 1870 eröffnete der großstadtnahen Einwohnerschaft ganz neue Erwerbsmöglichkeiten. Während in Eggenstein bereits im Eröffnungsjahr eine Haltestelle eingerichtet und ein Bahnhofsgebäude gebaut wurde, musste Leopoldshafen noch lange und unter großem Einsatz für einen direkten Zuganschluß kämpfen. Erst 1874 wurde diesem Wunsch endgültig entsprochen. Immer mehr Einwohner pendelten ab diesem Zeitpunkt nach Karlsruhe, um vergleichsweise gut bezahlte Stellungen in Industriebetrieben anzunehmen. Da vor allem die jungen Menschen den harten Broterwerb in der Landwirtschaft ablehnten, begann damit auch für diesen Erwerbssektor eine Wendezeit.

Die zunehmende Technisierung und Industrialisierung hielt in Eggenstein nach und nach Einzug: um 1890 beschafften sich Adam Jahraus und dessen Sohn Fritz als erste Eggensteiner eine Dreschmaschine und sehr zum Schrecken mancher Zeitgenossen sah man neben dem ohnehin unheimlich wirkenden Zugverkehr schon bald auf der Hauptstraße die ersten Fahrräder und Automobile umherfahren. So manch ein Dorfbewohner in Eggenstein und Leopoldshafen mag gespürt haben, dass sich damit die ruhigen Zeiten ihrem Ende entgegenneigten und sich die Welt nun immer schneller und schneller drehen würde. Die Veränderungen wurden daher von den einen begrüßt und von den anderen beklagt. Manche witterten schon das Hereinbrechen der „Endzeit". 1865 gelangte der Pfarrverweser Karl August Keerl nach Eggenstein, dessen fanatischen Reden über die Offenbarung des Johannes mächtigen Aufruhr unter den Leuten verursachten. Zu allem Unglück schienen sich die „göttlichen Zeichen" zu mehren: bei einer Renovierung des Schul- und Rathausgebäudes 1866/67 wurde die bislang an der Außenwand angebrachte Statue des Ortsheiligen Vitus entfernt. Das hätten die Eggensteiner besser nicht tun sollen: ein Teil des Rathauses stürzte kurz darauf ein und die Speicherfrucht ergoß sich über die Hauptstraße. Im Ort bewerteten die Leute dieses Geschehnis als Sündenschuld, als Rache des Ortsheiligen gegen seine pietätlosen Schützlinge !! Der Anschluß an die Industrialisierung gelang in Eggenstein nicht zuletzt durch die Nähe zur Großstadt Karlsruhe recht gut. Hier entstanden gleich mehrere Ziegeleien auf Gemeindegebiet sowie ein Kalkbrennofen an der Gemarkungsgrenze zu Teutschneureut. Mehrere Brauereien nahmen ihren Betrieb auf. Auch die heutige Brauerei Hoepfner in Karlsruhe hatte hier übrigens einen ihrer Ursprünge. Im beginnenden 20. Jahrhundert entstand im Süden des Dorfes ein Industriegebiet mit Bahnanschluß. Die angesiedelte Rohspritbrennerei des Fabrikanten Würzburger wollte die Eggensteiner aber nicht begeistern, sorgten doch Emissionen und Abwässer der Fabrik für den ersten Umweltgau in der Gemeindegeschichte. An Leopoldshafen war die Industrialisierung der Moderne nahezu unberührt vorübergezogen. Zwar hatte sich 1789 im ehemaligen Salpetersiedereigebäude eine Kristallglasfabrik und 1838 eine Ziegelhütte etabliert, der geringe Umfang der Gemarkungsfläche und ungünstige Standortfaktoren bei der Verkehrsanbindung verhinderte aber weitere Fortschritte.

Auch im medizinischen Bereich wurde die Versorgung der Dorfbewohner immer besser. Waren vor 1892 die Ortseinwohner ein- bis zweimal in der Woche von einem umherreisenden Arzt betreut worden, ließ sich im genannten Jahr mit Dr. Schmitz erstmals ein moderner Mediziner in der Gemeinde nieder. Es folgte Dr. Bönner und 1897 der bekannte Rheinländer Dr. Esser, der übrigens als erster Autobesitzer in der gesamten Hardt galt. Ab 1902 waren mit der Gründung der Flora-Apotheke sogar erstmals im Dorfe medizinische Produkte direkt erhältlich.

Von den Revolutionskriegen zur Badischen Revolution

Mit dem Ausbruch der französischen Revolution 1789, den folgenden Revolutionskriegen und den napoleonischen Feldzügen sollte sich die Landkarte Europas erneut verändern. So kam es, dass auch Eggenstein und Schröck immer wieder von ausländischen Kriegstruppen heimgesucht wurde. 1794 lagerten auf Feldern unweit Eggensteins zunächst österreichische, dann französische Truppen. Die hierfür bezogenen Ackergrundstücke sollen danach völlig verwüstet gewesen sein. Nicht nur das: immer wieder wurden die Dorfbewohner insbesondere durch herumstreundende französische Husaren um Geldleistungen erpresst. Mit dem Frieden von Lunéville im Jahre 1801 kehrte endlich wieder Ruhe im Lande ein. Die Bestimmungen des Vertrages machten den Rhein zur Grenze zwischen Baden und der benachbarten Pfalz. Die linksrheinischen Eggensteiner Güter gingen dabei verloren, wobei eine Entschädigung durch Ersatzgüter und Geld erfolgte.

Ein mitunter unangenehmer Dauerbrenner für die örtliche Bevölkerung in beiden Dörfern bestand schon seit Jahrhunderten in den unberechenbaren Fluten des Rheins, der mit seinen Hochwassern schon so mache Ernte hinfort gespült hatte. Und im Übrigen auch so maches Dorf: hierbei sei an die untergegangenen Weiler Frechstatt, Vefrisse, Breheme und Wanesheim erinnert, die sich einst alle auf rechts- oder linksrheinischer Seite zwischen Knielingen und Linkenheim befunden hatten. 1651 waren in Daxlanden 20 Häuser mitsamt der Kirche und dem Friedhof hinfortgespült worden und 1758 versank Knaudenheim in den Fluten. Besonders schlimme Hochwasser sind aus den Jahren 1577, 1615, 1656, 1737, 1758, 1760, 1785, 1816 und 1817, später 1824, 1872, 1883, 1910, 1944 und 1955 überliefert. Verständlich, dass sich die geplagte Bevölkerung eine Verbesserung ersehnte. Da machten die kühnen Korrektionspläne des Oberst Johann Gottfried Tulla von sich Reden, welche eine Begradigung des bislang schlaufenförmigen Flussbettes vorsahen. Gegen mitunter heftige Widerstände wurde mit den Bauarbeiten am Gesamtprojekt begonnen. Im Januar 1818 erfolgte der Eggensteiner Durchstich: zahlreiche prominente Gäste und selbstverständlich das gesamte Eggensteiner Volk wohnten diesem denkwürdigen Ereignis bei, das mit zahlreichen Freudenbekundungen, Musik und Feuerwerk begangen wurde.

Die Rheinkorrektion erforderte eine Verlegung des Hafens in Schröck an eine neue Stelle. 1812 wurde der Hafenplatz an seine heutige Stelle verlegt und 1818 erhielt der Platz einen Kranen und ein Lagerhaus. 1831 wurde gar ein regelmäßiger Schiffahrtsverkehr von Schröck nach Mainz eingerichtet. 1833 erlebte Schröck dann eine ganze Reihe von denkwürdigen Ereignissen. Im Mai des Jahres eröffnete das Schiff Koblenz die Oberrheinschiffahrt in Schröck. Hierzu besuchte gar am 29. Mai das Großherzogsehepaar das festlich geschmückte Dorf und den Hafen. Die Gemeindevertreter richteten an Großherzog Leopold das Gesuch, Schröck künftig Leopoldshafen nennen zu dürfen, worauf der Bitte zu einem späteren Zeitpunkt entsprochen wurde. Am 7. Juli 1833 feierten die Leopoldshafener die Namensumbenennung mit einem Festgottesdienst. Doch die Folgejahre unter dem neuen Namen verliefen weniger glücklich. Immer wieder versandete der Rheinarm bei Leopoldshafen derart, dass an eine geregelte Schiffahrt nicht zu denken war. Und was die Leopoldshafener befürchten mussten, wurde bald zur traurigen Gewißheit: der konkurrierende unlängst in Maxau eröffnete Hafen wurde 1842 zum Freihafen erklärt und nachdem auch noch das Zollamt im Dorfe schloß, begann der langsame aber unaufhaltsame wirtschaftliche Abstieg Leopoldshafens.

Auch in anderen Bereichen erfolgten bedeutsame Umbrüche der gesellschaftlichen Ordnung. Wurde bislang der Schultheiß und ab 1803 der Vogt als Ortsvorgesetzter von der Obrigkeit in sein Amt berufen, sah die 1831 in Baden verabschiedete Gemeindeordnung vor, dass die Dorfeinwohner ihren Bürgermeister nun selbst wählen durften. Weiterhin wurde die Aufhebung der Frondienste ab 1832 verkündet und nur ein Jahr später wurde die Möglichkeit geschaffen, bestehende jahrhundertealte Zehntverpflichtungen abzulösen. Waren diese Neuregelungen einerseits für das Gemeinwesen ein großer Segen, verursachten insbesondere die Zehntablösungen so mancher zahlungsschwachen Familie großes Kopfzerbrechen.

Doch die 1840er Jahre warteten noch mit weiteren wirtschaftlichen Problemen auf. Mitte des Jahrzehnts erlebte das Großherzogtum gleich zwei trockene und heiße Sommer in Folge. Die Ernteerträge blieben kärglich und die grassierende Kartoffelfäule zerstörte auch noch diesen Erwerbszweig. Im Winter 1846/47 nahm in den Dörfern die Not derart zu, dass auf Veranlassung des Pfarrers Frank zunächst in Eggenstein, dann auch in Leopoldshafen eine Suppenküche eingerichtet wurde. Die soziale Schieflage wuchs und 1848/49 entluden sich die Spannungen in der Badischen Revolution, die auch die beiden Hardtdörfer nicht unberührt ließ. Zuletzt war die Not so groß, dass immer mehr Familien auswanderten.

Neubeginn und wirtschaftlicher Aufschwung im 18. Jahrhundert

Nicht nur in Eggenstein und Schröck, auch in den umliegenden Städten und Dörfern musste sich das Leben neu organisieren. Einstige Machtzentren der Region wie die Residenzstadt Durlach mit ihrer Karlsburg oder die Amtsstadt Mühlburg mit ihrem Schloß lagen in Trümmern. Doch in der gesamten Hardt fiel der Neubeginn schwer und noch lange war die Gegend als verarmte Region verrufen. In dieser ohnehin drangsalsvollen Zeit verstarb 1709 auch noch der alte Markgraf und dessen Sohn Karl Wilhelm übernahm die Regierungsgeschäfte. Doch schnell hatte er es sich mit der Durlacher Bevölkerung verscherzt: als wären seine ärgerlichen Affären und kostspieligen Eskapaden nicht schon genug gewesen, ließ der neue Regent nun auch noch eine neue und protzige Schlossanlage in absolutistischer Manier entwerfen, die so gar nicht in das verwinkelte und beschauliche Durlach passen wollte. Der Markgraf zog Konsequenzen und beschloß kurzerhand, das neue Residenzschloß im westlich gelegenen Hardtwald zu errichten.

Am 17. Juni 1715 erfolgte inmitten des Hardtwaldes die Grundsteinlegung zum Turm des neuen Schlosses Carolsruhe. Ganz in absolutistischer Manier wurden der Anlage recht ausgeklügelte Pläne zugrunde gelegt: das neue Schloß sollte nicht nur strahlengleich den Geist der neuen Zeit und den Herrschaftsanspruch des Markgrafen bis in den letzten Winkel des badischen Territoriums ausstrahlen, es wurde auch selbst recht geschickt in ein vorhandenes geometrisches System umliegender Kraftorte eingebunden. Dem Kirchturm der Eggensteiner Pfarrkirche soll hierbei übrigens eine wichtige geometrische und planerische Funktion zugekommen sein. Während inmitten des Hardtwaldes die neue badische Residenz im Entstehen war, versuchten die Eggensteiner zurück zur Normalität zu finden. Im Dorf entstanden die Gehöfte von neuem und neben der Landwirtschaft, der Fischerei und dem Handwerk entstanden neue Gewerbeformen. So wurde spätestens um 1700 bereits Gold gewaschen, ab 1750 wurde die Torfstecherei gefördert. Obwohl bereits im Jahr 1536 eine Ziegelei im Orte bestanden hatte, wurde auch dieser Erwerbszweig im 18. Jahrhundert weiter ausgebaut. Neben den Bau einer neuen Gemeindeziegelei im Jahre 1786 entstanden in den folgenden Jahrzehnten weitere Ziegeleien auf dem Gemarkungsgebiet. In der Landwirtschaft kamen zu den üblichen Getreidesorten Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel und Hafer sowie den weiteren Felderzeugnissen Flachs, Hanf, Kraut, Rüben und Obst um 1719 der Tabak, ab ca. 1760 die Kartoffel, der Krapp und seit 1850 der Spargel hinzu. In der Pferdezucht nahm Eggenstein mit der Zeit eine überörtliche Bedeutung an.

Die Schröcker Höfe erlebten im 18. Jahrhundert einen ungekannten Aufschwung. 1721 errichteten die Einwohner ein neues Rathaus. Am Fuße des Hochgestades wurde ein Hafenplatz angelegt und 1750 errichteten gar einige Privatleute zur Förderung des Handels ein Warenlagerhaus mit Kranen. Der gestiegenen Bedeutung des Ortes entsprechend wurden die bislang zu Eggenstein gehörigen Schröcker Höfe 1762 zur eigenständigen Gemeinde erhoben: der Flecken erhielt eine eigene Gemarkung, eigene Grund- und Pfandbücher sowie ein eigenes Dorfsiegel. Auch in den folgenden Jahrzehnten wollte der wirtschaftliche Boom in Schröck nicht zum Stillstand kommen. 1765 wurde im einstigen Klosterhof eine herrschaftliche Salpetersiederei eingerichtet, 1768/69 folgte die Errichtung einer großherzoglichen Poststation. Menschen aus der Umgegend zogen nach Schröck. An den Hauptverkehrsstraßen entstanden neue Gastwirtschaften. 1808 wurde der Zwischenhafen zu Schröck zur Ein- und Ausladestelle am badischen Ufer erklärt. Eine gleiche Berechtigung besaßen nur noch Mannheim und Neufreistett bei Kehl. Das 18. Jahrhundert war somit ein Jahrhundert neuerlichen Wachstums, was sich auch in den Bevölkerungszahlen bemerkbar machte: in Eggenstein wuchs die Zahl der Einwohner von 211 Personen im Jahr 1698 auf 599 im Jahr 1770 und schließlich auf die Anzahl von 751 Anno 1802. In Schröck stieg die Einwohnerzahl von 50 im Jahr 1709 auf 347 Personen im Jahre 1809.

Von der Reformation zum Pfälzischen Erbfolgekrieg

Als ob die Menschen nicht schon genug von den unruhigen Zeiten gehabt hätten: im anbrechenden 17. Jahrhundert sollte alles noch schlimmer kommen, ja geradezu apokalyptische Ausmaße annehmen.

Es begann 1618, als sich die europäischen Großmächte in einen unglückseligen Krieg stürzten, der überall Leid, Zerstörung und Tod bringen sollte: dieser 30-jährige Krieg hinterließ auch in der Region seine Spuren. Inmitten des Krieges erließ 1629 Kaiser Ferdinand II. ein Restitutionsedikt, das den alten katholischen Glauben wiederherstellen sollte. Die Gottesauer Mönche kehrten aus ihrem Exil im Kloster Ochsenhausen zurück und beanspruchten erneut ihre alten Besitztümer und Rechte, auch in Eggenstein. Doch mit der Ankunft der protestantischen schwedischen Truppen sahen sich die Mönche wieder zur Flucht genötigt. 1634 wendete sich mit der Schlacht von Nördlingen erneut das Blatt: schon wieder wurden mit der Rückkehr der Mönche nach Gottesaue die alten Klosterrechte wiederhergestellt. Damit wurden Kirche und Pfarrei Eggenstein formal wieder gottesauisch und katholisch!

Die praktische und nachhaltige Rückführung der Bevölkerung zum Katholizismus scheiterte jedoch in den Wirren des Krieges. Bis 1636 wüteten plündernde durchziehende Truppen in den Hardtdörfern so schlimm, dass die gesamte Eggensteiner und Schröcker Bevölkerung mitsamt Vieh in dem mit Stadtmauern bewehrten Durlach Schutz suchte.

1642 versuchten jesuitische Geistliche eine erneute Rekatholisierung der Eggensteiner Bevölkerung. Dabei entdeckte der Jesuitenpater Philipp Thenle das im Zuge der Reformationswirren versteckte Madonnenbildnis auf dem Dachboden der Kirche und nahm es in Verwahrung. Er überführte die lebensgroße Holzstatue 1646 nach Maria-Linden bei Ottersweier, wo sich später noch so manch wundersames Ereignis in Verbindung mit dem Bildnis zugetragen haben soll. Die Madonna von Eggenstein kann dort übrigens noch heute besichtigt werden. 1648 wurde der unselige Krieg mit dem Westfälischen Frieden beendet. Und damit kam das endgültige Aus für Kloster Gottesaue und seine Mönche. Kloster und Besitztümer gingen erneut an die Markgrafschaft über und in rekatholisierten Dörfern zog wieder der Protestantismus ein.

Doch das nächste Unglück stand bereits vor der Haustür: im Pfälzischen Erbfolgekrieg zänkten sich Deutsches Reich und Frankreich um die pfälzer Lande. Im Spätjahr 1688 fielen französische Heere in die Pfalz und Gebiete östlich des Rheins ein und belagerten u.a. die Städte Worms, Speyer, Heidelberg, Mannheim und Philippsburg. Der Deutsche Reichstag in Frankfurt antwortete am 16.02.1689 mit einer Kriegserklärung, worauf der französische König Ludwig XIV. zähneknirschend den Rückzug seiner Truppen anordnete. Seinen Kriegsherrn Mélac ließ er dabei jedoch diese Gebiete systematisch plündern und brandschatzen. Eggenstein erlebte in diesem Jahr ein wahres Todestrauma: sämtliche Gebäude wurden niedergebrannt, selbst das Pfarrhaus mitsamt allen kirchlichen Aufzeichnungen ging in Flammen auf. Auch in der Kirche wurde böse gewütet: sämtliches Kirchengerät wurde geraubt und geplündert, die Fenster wurden eingeschlagen, die Glocken fortgeschafft. Einzig der Verbleib der geraubten Turmuhr konnte später ausfindig gemacht und diese daraufhin gegen eine Summe von 6 Gulden wiederbeschafft werden. Was in dieser Zeit im Flecken Schröck geschah ist nicht überliefert. Doch auch an den dortigen Gehöften ging die unruhige Zeit sicherlich nicht spurlos vorüber. Wie auch in Eggenstein führten die kriegerischen Zeiten zu einem rasanten Bevölkerungsschwund. Inmitten der Trummer und verlassenen Gehöfte standen die Menschen vor einem völligen Neubeginn.

Vom Aufstieg der Markgrafen von Baden zur Reformation

Eine weitere politische und territoriale Neuordnung der Region am Rhein kündigte sich an, als Kaiser Rudolf von Habsburg Anfang 1274 die Orte Mühlburg, Durlach und Grötzingen eroberte. Markgraf Rudolf I. von Baden, der zuvor vom Grötzinger Grafengeschlecht die Burg auf dem Turmberg erworben hatte, wurde in seinen Rechten belassen. Als Vogt über Kloster Gottesaue und dessen Besitztümer überließ er den Mönchen am 04.10.1275 das Dorf Eggenstein gegen eine jährliche Abgabe von 12 Pfund Hellern und 8 Malter Weizen. Das Markgrafengeschlecht von Baden gewann in der Folgezeit zunehmend an Einfluß: 1453 hinterließ Markgraf Jakob seinem Sohn 5 territoriale Ämter: Mühlburg, Durlach, Ettlingen, Kuppenheim und Graben. Eggenstein wurde dem Amte Mühlburg zugerechnet. Während also Kloster Gottesaue nach wie vor Eigentümer, Grund- und Gutsbesitzer war, galt der Markgraf als Oberherr in der Landschaft.

Die Markgrafen verstanden sich zudem als Förderer kirchlichen Lebens. An vielen Orten entstanden Kirchenneubauten im gotischen Stil. So beispielsweise in Hochstetten (1479) und Knielingen (1480), Berghausen, Söllingen und Stein. Auch die Eggensteiner Kirche muß wohl in diesen Jahren im Stil der Zeit erneuert worden sein. Ein konkretes Baudatum sowie Angaben über die damaligen Baumeister sind aber nicht überliefert.

Zwischen 1501 und 1525 fegten die von aufständischen Bauern getragene Bundschuhbewegung und der Bauernkrieg durch die Lande. 1525 trafen die Kriegswirren insbesondere das Kloster Gottesaue sehr hart, das ja bekanntlich noch immer die Kirchenherrschaft über die Pfarrei Eggenstein ausübte. Dieses wurde von den Horden gestürmt, ausgeraubt und verbrannt. Abt und Mönche mussten fliehen. Will man den Zeugenaussagen des Eggensteiner Bürgers Kilian Neck in späteren gerichtlichen Untersuchungen zu den Vorfällen Glauben schenken, hatte sich angeblich kein Einwohner aus Eggenstein an den Raubzügen beteiligt. Fest steht jedenfalls, dass 1547 die Gottesauer Mönche in ihr verwüstetes Kloster zurückkehrten und aus Geldnot zur Veräußerung ihrer Güter gezwungen waren. Sie verkauften u.a. die verwüsteten Höfe von Frechstatt, jetzt Altstatt genannt, an die badische Markgrafschaft, welche wiederum einen Großteil davon für 1500 Gulden den Eggensteinern überließ. Diese trugen die restlichen Hofgebäude ab, ebneten das Gelände ein und verwandelten es in Ackerland. 1553 wurde unter Markgraf Karl II. Kloster Gottesaue auch formal mit allen Rechten wiederhergestellt. In Eggenstein wurde ein Fleckensbüchel angelegt, in dem der Gemeinde zugehörige Grundstücke und Bodenbesitztümer nebst der zugehörigen Zinslast vermerkt wurden. Das Kloster besaß im Dorf übrigens einen Hof, in dem die Zinslasten der Einwohner eingezogen und nach Gottesaue abgeführt wurden: dieses Götzenhöflein (Verballhornung von Gottesauer Höflein) befand sich wahrscheinlich an der Stelle des späteren Hahnenhofes unterhalb der Kirche.

Neben den sozialen Verhältnissen waren auch die kirchlichen Zustände im Laufe der Zeit in gehörige Schieflage geraten. Während in anderen Regionen des Deutschen Reiches die durch Luther angestoßene Reformation den alten religiösen Muff hinwegzublasen begann, stöhnten auch die Eggensteiner unter den Eskapaden ihres Pfarrers: fortgesetztes negatives Verhalten, wie Trunksucht und Gotteslästerung wurden dem Geistlichen vorgeworfen. Es kam schließlich so weit, dass Pfarrer Roßreuter 1551 vom Mühlburger Amtmann gefangengesetzt und dem Bischof zur Bestrafung übergeben wurde. Nebst einer zu entrichtenden Geldbuße von 6 Gulden landete der unbotmäßige Geistliche im Gefängnis.

Als Markgraf Karl II. dann am 1. Juni 1556 in der Markgrafschaft die protestantische Reformation einführte, war es auch in Eggenstein aus mit dem Katholizismus. Da sich die Mönche in Kloster Gottesaue partout geweigert hatten, den neuen Glauben anzunehmen, hob der Markgraf das Kloster kurzerhand auf und zog dessen Besitztümer ein. Das Patronat über die Pfarrei Eggenstein und die einstigen Besitztümer des Klosters im Ort gingen damit auf die Markgrafschaft über. Auch das „Klösterlein" in Schröck fiel in diesem Zusammenhang an den Markgrafen. Eggenstein und Schröck wurden evangelisch. Übrigens entging den Bilderstürmern ein Madonnenbildnis in der Eggensteiner Kirche, das die nächsten 90 Jahre gut versteckt auf dem dortigen Speicher die Wirren der Zeit überdauerte.

Die Zeit der Klöster im Hochmittelalter

Die Jahrhunderte des Mittelalters verliefen in Eggenstein-Leopoldshafen mitunter turbulent und waren durch wechselnde Besitzverhältnisse im Ort geprägt.

Während leider die örtlichen schriftlichen Quellen zur Alltagsgeschichte in den Wirren späterer Kriege verloren gegangen sind, können zumindest die überregionalen geschichtlichen Ereignisse rekonstruiert werden.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war das Leben der Menschen zumeist religiös und kirchlich geprägt. Noch immer wurden neue Klöster gegründet. So auch im Falle des Klosters Gottesaue, das per Stiftungsurkunde des Kaisers Heinrich V. am 15. August 1110 auf heutigem Karlsruher Stadtgebiet gegründet wurde.

Für Eggenstein bedeutete dies einen größeren Gebietsverlust: der gesamte südliche Teil der Gemarkung wurde abgetrennt und den Gottesauer Mönchen überlassen. Diese rodeten die dortigen Wälder und gründeten Neureut.

Die Entscheidungsgewalt über religiöse Fragen in Eggenstein übte zu dieser Zeit das Bistum Speyer aus. Im Jahre 1160 verfügte der Bischof, dass die Pfarrei Eggenstein die in der Nähe liegenden Siedlungen Frechstatt und Schröck kirchlich zu betreuen hatte.

Das religiöse Gepräge änderte sich erneut im Jahre 1239, als Kirche und Pfarrei Eggenstein dem Kloster Gottesaue übertragen wurden. Die Eggensteiner Kirche schien damals von größerer Bedeutung gewesen zu sein: 1240 wurde nicht nur das Kloster Gottesaue sondern auch ausdrücklich die Eggensteiner Kirche dem direkten und besonderen apostolischen Schutz des Papstes unterstellt. Jene wurde 1260 als den Heiligen Vitus und Modestus geweiht bezeichnet.

Trotz aller zeitgenössischer Frömmigkeit waren Zänkereien über Rechte und Gebietsansprüche an der Tagesordnung. Während Eggenstein dem Kloster Gottesaue unterstellt war, gehörten maßgebliche Besitztümer im nördlichen Schröck zum Kloster Maulbronn.

1294 kam es zum Streit über ein Mühlengewässer, da eine Schröcker Mühle von Eggensteiner Gewässer gespeist wurde. So verlangte das Kloster Gottesaue eine Entschädigung für die Gewässernutzung und drohte mit der Sperrung des Baches. Letztlich kam es zu einem Vertrag, in dem die Maulbronner Mönche Gottesaue jährlich 4 Unzen Heller wegen des Eggensteiner Wassers zu entrichten hatten.

Ein weiterer Streit entflammte zwischen Kloster Gottesaue und dem linksrheinischen Kloster Hördt über das gemeinschaftliche Fischen am Altrhein. 1336 einigte man sich in einem Vertragswerk, in dem festgeschrieben wurde, dass sich die Klöster die Fischgewässer je zur Hälfte aufteilten, wobei den Einwohnern von Eggenstein vom Gottesauer Anteil ein Drittel zustand.

Wenngleich nicht an einem bedeutenden Handelsweg gelegen, so gewann Schröck dennoch aufgrund seiner strategisch günstigen Lage am Rhein als Zoll- und Fährort zunehmend an Bedeutung. Wie einer Rechtsverleihungsurkunde von König Wenceslaus an Markgraf Bernhard von Baden aus dem Jahr 1382 zu entnehmen ist, bestand zu dieser Zeit bereits eine Zollstelle „zu Schreck uf dem Rheine". 1390 ist erstmals die Existenz einer „Fahr" zu Schröck belegt, also einer Fähre für den Personen- und Warenverkehr zwischen den Rheinufern. Ein Verhörprotokoll von 1440 belegt zudem, dass sich bereits zu diesem Zeitpunkt eine Gastwirtschaft in der Nähe der Zollstation befand, dessen namentlich genannter Wirt Cuntz Radspynner gleichzeitig als markgräflicher Zollbeamter fungierte.

Die Erstnennungen von Eggenstein und Leopoldshafen

Ins Licht der schriftlich überlieferten Geschichte tritt Eggenstein-Leopoldshafen im frühen Mittelalter des 8. Jahrhunderts. In den vielen Jahrzehnten zuvor waren Adlige durch ihren Kriegsdienst zu ausgedehnten Streubesitzungen an Grund und Gütern gelangt. Die christliche Kultur war noch jung und Bistümer, Klöster und Missionare suchten die neue messianische Geistesströmung in der Bevölkerung verstärkt zu verankern.

Im Jahre 764 erfolgte mit der Neugründung der Reichsabtei Lorsch unweit von Heidelberg ein weiterer Schritt zur Festigung weltlicher und kirchlicher Machtstrukturen. In der Folgezeit wurde das Kloster durch fromme adlige Stifter mit zahlreichen und weit verstreut liegenden Gütern ausgestattet. Auch die vermutlich aus der dortigen Gegend stammenden verheirateten Adligen Herbo und Rotlint taten dies und so geschah es, dass sie am Freitag, den 13. Juni 766 ihre Besitztümer in Eggenstein dem Kloster und dem dort als Reliquie verehrten Heiligen Nazarius vermachten. Ihre im Lorscher Codex als Abschrift erhalten gebliebene Besitzübertragung lautet in deutscher Übersetzung wie folgt: Schenkung des Herbo [in] Hecinstein. Im Namen Christi. Tag [der] Iden des Juni im Jahr 14 des Königs Pippin. Ich Herbo und meine Gemahlin Rotlint geben dem Märtyrer Sankt Nazarius, der dem Leibe nach im Kloster Lorsch ruht, wo der ehrwürdige Gundeland als Abt vorsteht, was immer wir im Ufgau im Dorfe Hecinstein besitzen mögen durch abgelegtes Handgelöbnis. Geschehen im Kloster Lorsch. Zeitpunkt wie oben. 

Weitere Schenkungen an das Kloster erfolgten am 01. Juli 784 durch Graf Gerold und seine Frau Imma und am 12. September 786 oder 805/813 durch die Adlige Autgard. Aus den Urkundentexten des Klosters Lorsch erfahren wir außerdem von der Existenz eines heute nicht mehr bestehenden Dorfes Namens Frechstatt, dessen ehemalige Lage wir entweder im südwestlichen Tiefgestade von Eggenstein, im sogenannten Altstetter Feld, vermuten dürfen oder auf einem nicht mehr existierenden Hochgestadesporn zwischen Leopoldshafen und Linkenheim. Auch von dort sind Stiftungen an das Kloster zum eigenen Seelenheil belegt. Was in den nächsten 300 Jahren nach den Schenkungen ans Kloster Lorsch geschah, liegt völlig im Dunkeln. Kein einziges Dokument hat sich aus der Zeitspanne von 800 bis ca. 1100 erhalten. Nördlich von Eggenstein entstand vermutlich Anfang bis Mitte des 12. Jahrhunderts als hochmittelalterliche Rodung auf einem markanten Gestadesporn gen Rhein eine aus einem oder mehreren Höfen bestehende Ausbausiedlung, die Schröck genannt wurde. Die Erstnennung dieses Fleckens datiert aus dem Jahr 1160. Damals hatte sich ein dortiges Hofgut im Besitz der Grafen von Calw befunden und diese verkauften es an das Kloster Maulbronn, was in einer Urkunde vom 01. Juli 1160 des Bischofs Günter von Speyer bekräftigt wurde. Damit wurde das Hofgut eine von Laienbrüdern bewirtschaftete Grangia, welche die örtlichen Liegenschaften und Erträgnisse des Klosters verwaltete und zu der auch ein „Klösterlein" gehörte.

Vorgeschichtliche Zeit

Die geschichtlichen Wurzeln Eggenstein-Leopoldshafens reichen weit ins Dunkel vorgeschichtlicher Zeiten zurück. Wie archäologische Funde aus dem Bereich der heutigen Baggerseen im Gewann Oberau vermuten lassen, lebten bereits in der Jungsteinzeit (5.-3. Jahrtausend v. Chr.) Menschen auf der Gemarkung. Weitere Funde aus dem Tiefgestade belegen einen zumindest zeitweisen Aufenthalt von Menschen in den darauffolgenden jüngeren Zeitepochen der Urnenfelderzeit (13.-8. Jahrhundert v. Chr.), der Römerzeit (1.-3. Jahrhundert n. Chr.) und der Merowingerzeit (6.-7. Jahrhundert n. Chr.).

Der archäologische Befund legt nahe, dass sich die ersten Siedler der Gemarkung nach den kulturhistorischen Umbrüchen an der Schwelle zur Jungsteinzeit zunächst an den wasserreichen und verschlungenen Armen des Rheins aufhielten, wo Fischfang und Jagd einen ausreichenden Nahrungserwerb ermöglichten. Im Zentrum archaischer Glaubensvorstellungen mag das vielfältige Wirken schicksalhafter übersinnlicher Kräfte gestanden haben, das sich an bestimmten Orten in der Natur in besonderer Weise zu manifestieren schien. So könnte bereits in jungsteinzeitlicher oder spätestens keltischer Zeit am heutigen Kirchberg eine monolithische Steinsetzung entstanden sein. Darauf dürfte auch der früheste Ortsname Hecinstein oder Eckenstein hinweisen, was in althochdeutscher Sprache soviel wie Spitzstein bedeutet.

Die besonderen klimatischen und geografischen Verhältnisse am Rhein zogen im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Völkerschaften an, was für wechselhafte kulturelle Verhältnisse und mitunter kriegerische Auseinandersetzungen sorgte. Auf die steinzeitliche eher matriarchal geprägte Kultur folgten partriarchale Kriegervölker indogermanischen Ursprungs. Ab dem 1. nachchristlichen Jahrhundert wurde die Bevölkerung keltischer Prägung im Zuge von Eroberungsfeldzügen des römischen Imperiums auf rechtsrheinischem Gebiet ausgelöscht, vertrieben oder assimiliert. Die rechtsrheinische römische Zeitepoche wurde im 3./4. Jahrhundert durch einfallende Stammesverbände der Alemannen beendet und diese wiederum mussten sich bis zum Jahr 537 den merowingischen Franken geschlagen geben.

Die kulturellen und religiösen Bräuche waren in diesen Zeiten einem vielfältigen Wandel unterworfen und allerspätestens mit dem Wirken christlicher Missionare vom 6.-8. Jahrhundert war in der Region die flächendeckende Umwandlung zum Christentum frühmittelalterlicher Prägung vollzogen. Die zu diesem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit bestehende und wie auch immer geartete Kultstätte am Kirchberg wurde für kirchliche Zwecke vereinnahmt und umgewandelt. Zu einem heute nicht mehr ermittelbaren Zeitpunkt entstand an dieser Stelle ein erstes Gotteshaus.

In fränkische Zeit fiel auch der Beginn der Urbarmachung des Sandrückens im Raum zwischen Rastatt und Schwetzingen. Nicht zuletzt, um die ständige Wanderung von Flugsand einzudämmen, legten Kriegsgefangene und Knechte mit dem Hardtwald einen Königsforst an.

Die Texte stammen von Steffen Dirschka, ehemaliger Gemeindearchivar.
Sie wurden von Wolfgang Knobloch, ehrenamtlicher Museumsleiter, und der Gemeindearchivarin Katrin Kranich fortgeschrieben.
Ausführlicher können Sie alles in den Chroniken der beiden Ortsgemeinden nachlesen, die im Rathaus und der Buchhandlung Krissel erhältlich sind.

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